Weltberühmte Cola, Plantagen und nachts in New Orleans

Typisches Südstaatenhaus in Louisiana

Wir fahren weiter Richtung Süden, nach Vicksburg. In Vicksburg wurde während des Amerikanischen Bürgerkriegs eine entscheidende Schlacht geschlagen, die über ein Jahr dauerte. Weil die Stadt „zu schön zum Zerstören“ war, sind im Gegensatz zu den meisten anderen Städten Mississippis viele alte Gebäude erhalten geblieben. Vicksburg ist wesentlich gepflegter als Clarksville. Trotzdem steht ungefähr die Hälfte aller Läden in der Historic Downtown leer. Und viel los ist hier auch nicht, was schade ist. Wir bummeln einmal über die Washington Street, wo sich auch das Museum of Coca-Cola History and Memorabilia befindet. Es ist noch dasselbe Gebäude, in dem 1894 die Biedenharn Candy Company zum ersten Mal Coca-Cola in Flaschen abfüllte. Dieser Deutsche Auswanderer aus der Nähe von Oldenburg führte mit seinen Söhnen die Firma bis weit ins 20. Jahrhundert hinein und verkaufte das Erfrischungsgetränk weit über die Grenzen Mississippis hinaus.

Museum of Coca-Cola History and Memorabilia in Vicksburg

Im Anschluss durchfahren wir noch im Schritttempo die weiteren vom Reiseführer empfohlenen Straßen in Vicksburg, bevor wir uns für die nächsten 65 Meilen auf den Weg nach Natchez machen. Natchez war im Bürgerkrieg strategisch unbedeutend und ebenso wie Vicksburg zu schön, sodass es von Zerstörungen verschont blieb. Hier gibt es noch viel mehr prachtvolle Südstaatenvillen zu sehen; im historischen Bezirk hat man den Eindruck, in einem Bilderbuch zu sein. Trotz des frühen Abends ist es noch drückend heiß und nach einem Spaziergang von einer Dreiviertelstunde freuen wir uns wieder auf das klimatisierte Wohnmobil.

Ein Blick in den Travel Guide der Tourist Information von Mississippi zeigt uns den nächstgelegenen Campground, der gute drei Meilen südlich der Stadt am Highway 61 liegt. Auf dem Weg kaufen wir noch Lebensmittel, richten uns dann auf dem Platz ein, legen das T-Bone-Steak auf den Grill und lassen es uns schmecken.

Am nächsten Morgen klappt es – dank Wecker – endlich mal mit dem frühen Aufstehen. Um Viertel vor neun sind wir auf der Piste und fahren erst mal über die Grenze nach Louisiana. Dort halten wir am Visitor Center, statten uns wie gewohnt mit reichlich Karten- und Informationsmaterial aus und frühstücken im Wohnmobil, denn die Bank draußen ist zwar einladend, aber vor zehn Uhr ist es bereits deutlich zu heiß.

Heute ist Plantation Day. Zwischen Natchez und New Orleans gab es früher vierhundert Plantagen – heute ist davon nur noch ein halbes Dutzend übrig. Wir besichtigen gleich als Erstes die Nottoway Plantation. Allerdings verzichten wir hier auf eine Führung durch das Haus und beschränken uns auf die weitläufigen, hervorragend gepflegten Gärten (Eintrittspreis: 17 Dollar für uns beide zusammen). Nach einer halben Stunde haben wir genug gesehen und kühlen uns bei einem zehnminütigen Film über die Geschichte der Plantation im „Museum“ des Hauses ab. Das alles ist so schön wie interessant und aus unserer Sicht einen Besuch absolut wert.


Houmas House Plantation in den Südstaaten der USA

Villa der Houmas House Plantation in den Südstaaten der USA Mächtiger Baum auf der Houmas House Plantation

Nun gibt es noch fünf weitere Plantations auf dem Weg, und wir müssen uns entscheiden, denn alle werden wir heute sicher nicht schaffen. Wir verlassen uns wieder auf den guten Karl, der mir die Houmas House Plantation von Kevin Kelly ans Herz gelegt hat. Erst einmal erkunden wir wieder die Gärten mit ihren verzierten Brunnen und Teichen, die auch wieder wunderschön sind. Jetzt um die Mittagszeit sind wir dankbar für jedes Stückchen Schatten, welches sich unter Bäumen und Hecken bietet. Trotzdem zerfließen wir nahezu. Im Anschluss kaufen wir ein Upgrade, bezahlen insgesamt 20 Dollar pro Person und bekommen dann auch eine Hausführung. Diese leitet Judy – und sie ist eine Wucht, eine richtige Mummy! Wir merken ihr an, dass dieser Job ihre Leidenschaft ist, und spätestens als sie an einem Flügel ein altes Südstaatenlied spielt und dazu singt, fühlen wir uns in eine andere Welt versetzt.

Führung auf der Houmas House Plantation in Louisiana

Die Tour ist toll, etwas Vergleichbares haben wir noch nicht erlebt. Hier ist alles zum anfassen. Keine Kordeln und Plastikfolien, die alles absperren oder verdecken. Kevin, der Eigentümer, lebt hier selbst und so führt uns Judy auch durch die Zimmer, die er bewohnt. Ganz hautnah erleben wir hier eine Welt von vor 150 Jahren, die immer noch lebendig ist – heutzutage mit Laptop unter der Tiffanylampe.

Die anschließende Fahrt führt uns über den Highway 61 durch das weniger sehenswerte Baton Rouge und schließlich ins wühlige New Orleans. Dann landen wir endlich am wasserseitigen Ende der Canal Street. Hier gibt es einen kleinen Parkplatz, der auch für Motorhomes geeignet ist. Und da die geringste Gebühr von 20 Dollar bis zum nächsten Morgen um sieben Uhr gilt, entscheiden wir uns gleich, über Nacht hierzubleiben. Das erspart uns eine erneute Fahrt durch die Stadt und die Suche nach einem Campground außerhalb.

Wir bummeln durch das French Quarter, kommen am French Market vorbei und sind wirklich begeistert von der europäisch anmutenden Architektur und dem touristischen Leben hier. Läden, Restaurants und Bars reihen sich aneinander. Auf dem Rückweg erfahren wir von einem jungen Mitarbeiter der Cigar Factory, dass dieser Teil der Stadt vom Hurrikan Katrina relativ verschont geblieben ist. Betroffen waren hauptsächlich die ohnehin schon ärmeren Stadtviertel. Als Tipp fürs Dinner erfahren wir von ihm, dass man eigentlich viele der Restaurants entlang der Decatur Street wählen könnte. Für Seafood und Cajun Cuisine empfiehlt er jedoch, die Bienville Street herunterzugehen und an der Ecke Bourbon Street ins Desire Restaurant zu gehen. Ein super Tipp, wie wir sehen werden. Ich esse sechs erstaunlich große Austern vorweg, dann ein Cajun-Trio: Gumbo, Red Beans mit Rice und Jambalaya. Christiane isst Crawfish mit dunkler Soße und Reis. Es schmeckt hervorragend. Scharf, mit leckeren Gewürzen und Knoblauch zubereitet.

Inzwischen ist es dunkel, und in der Bourbon Street tobt das Nachtleben. Überall Bars mit Livemusik, viele Striplokale und scharenweise Nachtbummler, die hier richtig Spaß haben. Wahrscheinlich ist dies auch der einzige Ort in den USA, an dem es so etwas gibt und wo ungestraft in aller Öffentlichkeit auf der Straße Alkohol konsumiert werden darf. Es ist wie auf der Reeperbahn in Hamburg zu besten Zeiten. Wir genießen das bei einem entspannten Bummel zum Abschluss dieses erlebnisreichen Tages und kehren dann zu unserem Übernachtungsplatz zurück.

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6.Oktober 2011  Rubrik: Aktuellste Beiträge, USA  Autor:


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