Vom King of Rock ’n’ Roll zum Delta Blues

Paar vor dem Grabstein von Elvis Presley

Das Grab des King of Rock ’n‘ Roll

Nach einem Frühstück mit Blick auf den Mississippi machen wir uns auf den kurzen Weg nach Graceland, einst Wohnsitz von Elvis Presley und heute Kultstätte. Ich bin schon seit meiner Kindheit ein Fan seiner Musik, aber viel über ihn wusste ich bislang nicht. Das ändert sich hier innerhalb kürzester Zeit. Für 35 Dollar pro Person erstehen wir Platinum-Pässe, die zu empfehlen sind, weil sie auch den Zugang zu weiteren Ausstellungen ermöglichen. Mit Elvis’ Wohnsitz beginnt unsere Tour, während der wir von Audio-Guides (kleinen Handgeräten mit Kopfhörern) sogar auf Deutsch mit reichlich Informationen zum Leben und Werk von Elvis versorgt werden. In Graceland können das Erdgeschoss und der Keller des Wohnhauses, ein zum Büro umfunktionierter Anbau für seinen Manager und Sekretärinnen, ein Sportpavillon sowie der Pool mit Meditationsgarten und seine Grabstätte besichtigt werden. Ich bin sehr beeindruckt – so nah habe ich mich dem King noch nie gefühlt! Im Anschluss gibt es fünf weitere Ausstellungen zu besichtigen. Hier sieht man seine exzentrische Kleidung, einen Teil seines Fuhrparks, seine zwei Flugzeuge, unzählige Goldene und Platin-Schallplatten sowie viele weitere Auszeichnungen. Und wir erfahren, dass er ein bescheidener, stets freundlicher und sehr großzügiger Mann war, der nicht nur viel für wohltätige Zwecke gespendet, sondern auch gerne etwas verschenkt hat – darunter einige seiner Autos.

Portrait von Elvis Presley auf Graceland

Das Elvis Presley Musem

Dann fahren wir nach Memphis. Von Graceland dauert das ungefähr fünfzehn Minuten. Es gibt ausreichend öffentliche, allerdings kostenpflichtige Parkplätze, auf denen man im Zweifel auch mit den größten Wohnmobilen parken könnte. Von hier sind es nur wenige Schritte in die berühmte Beale Street – seit jeher die Adresse für Blues in Memphis. Hier gibt es bis heute diverse Musikklubs, die beinahe täglich Livemusik anbieten. Allerdings erst abends, sodass wir heute leider nicht in den Genuss kommen. Wir bummeln durch die Straße, die im Dunkeln mit der Neonreklame sicherlich noch mehr Charme hat. Dann kehren wir im B.B. King Blues Club ein, setzen uns draußen in den Schatten und genießen einen späten Lunch mit Tamales (Mexikanischen Teigtaschen) und Slow Cooked Ribs mit Fries und Coleslaw. Dazu gibt es ein erfrischendes Hausbräu, welches ein bisschen nach Hefeweizen schmeckt.

Camper auf Straße C19

Auf dem Weg von Memphis nach Mississippi

Hinweisschild auf die berühmte Beale Street

Die berühmte Beale Street

 

 

 

 

 

 

 

Wir fahren nicht mehr allzu lange und sind zwar bereits im südlich an Tennessee angrenzenden Bundesstaat Mississippi, aber noch in den Ausläufern des Stadtgebietes von Memphis. Hier haben wir gleich zwei Plätze zur Auswahl. Wir schauen uns kurz den Jellystone Campground an, entscheiden uns dann aber für den näher am Highway (und Visitor Center) liegenden EZ DAZE RV Park. Der ist nicht wirklich hübsch, bietet aber allen Komfort und kostet verträgliche 35 Dollar. Wir sind immer noch satt vom späten Lunch und genießen nur noch ein paar Taco-Chips mit einem Feierabendbierchen in der warmem Sommernacht.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg durch den Natural State und America’s Birthplace of Music: Mississippi. Wir entscheiden uns gegen die Interstate und für die Scenic Highways. Zuerst nehmen wir den Highway 61, dann die berühmte River Road am Mississippi (den wir von der Straße selbst jedoch trotzdem nicht sehen), die ihn ursprünglich von Missouri bis zur Mündung in Louisiana begleitete. Den ersten Halt machen wir nach ungefähr 75 Meilen in Clarksdale. Ein wenig suchen müssen wir schon, um Downtown zu erkennen. Der Ort ist schon ziemlich heruntergekommen und ohne Tipp hätten wir hier sicher nicht angehalten. Das Rock and Soul Museum ist geschlossen (man könnte für individuelle Besuche eine Nummer wählen, wir verzichten darauf), fast alle anderen Gebäude sehen verlassen, verfallen oder zumindest wenig einladend aus. Einen morbiden Charme verspüren wir hier und bedauern, dass die ursprünglich scheinbar schöne Substanz so dem Verfall überlassen wird. Unvermittelt werden wir angesprochen: „Are you doing okay?“ – amerikanische Höflichkeit, die uns immer wieder erstaunt. Nur ein Bruchteil davon würde in Deutschland schon viel helfen. Der Mann stellt sich als Bubba soundso vor, schüttelt uns die Hände, freut sich wie alle, dass wir aus Deutschland kommen und weist uns den Weg zum Delta Blues Museum. Dieses zeigt Künstler der Region, die als Wiege des Blues gilt, ihre Geschichte, Instrumente und viele Fotos. Sehr interessant und ein Mekka für Blues-Fans.

Sofas vor dem Ground Zero Blues Club

Der Ground Zero Blues Club

Innenansicht Ground Zero Blues Club

Ground Zero Blues Club von innen

 

 

 

 

 

 

 

Wandmalerei Mississippi Delta Blues

Eine Delta Blues Wandmalerei

Wir wandern weiter durch die heißen Straßen und sehen jetzt auch das zweite Highlight der Stadt, den Ground Zero Blues Club. Ein unscheinbares Gebäude beherbergt diesen Klub, der unter anderem Morgan Freeman gehört. Auf der Veranda stehen alte Sofas und ein Ledersessel; die Front ist mit Postern und Beschriftungen bedeckt, sodass wir die Eingangstür erst auf den zweiten Blick entdecken. Ohne zu wissen, was sich im Inneren verbirgt, hätte ich mich kaum getraut, die Tür zu öffnen. Im Inneren erblicken wir zwei alte Billardtische, eine Bar, über der drei Gitarren hängen, und die Bühne, die abends Musikern zur Verfügung steht. Alles, wirklich alles ist vollgeschrieben mit Sprüchen, Namen und Daten, es gibt Autogramme auf den Wänden, der Bar, den Billardtischen, den Säulen, Tischen und Stühlen, sogar auf dem Schlagzeug, das auf der Bühne steht. Offenbar darf sich hier jeder verewigen. Wir spielen Revoluzzer – und machen es nicht. 😉 Die Kellner verstehen wir übrigens kaum – hier wird originaler Mississippi-Slang gesprochen. Fasziniert verlassen wir den Laden und auch hier hätten wir gerne die Zeit gehabt, Livemusik zu erleben. Dafür schauen wir schräg gegenüber im Cat Head Shop vorbei, wo es Bücher, CDs, Memorabilien, Poster und vieles mehr zum Thema Blues gibt.

Mit skurrilen Erinnerungen und einem Blues-Poster im Gepäck verlassen wir Clarksdale und fahren ins 65 Meilen entfernte Greeneville. Einen Blick auf das Kasino-Boot und über den 1927 nach der schlimmen Flut errichteten Deich sowie einen Bummel durch Historic Downtown später wissen wir, dass es hier zwar ein bisschen besser erhalten aussieht als in Clarksdale, aber ganz so toll wie im Visitor Guide geschildert, ist es dann auch nicht.

Wir beschließen, den Leroy Percy State Park südlich von Greeneville aufzusuchen, wo wir heute übernachten werden. Wir sind die einzigen Camper – und die einzigen Besucher überhaupt. Dabei ist es wirklich toll hier: um uns herum Wald, viele schöne Stellplätze mit Tischen, Bänken und sogar Stehgrills sowie ein ordentliches Waschhaus. Als Highlight gibt es am See einen Steg, von dem wir einen der zahlreichen hier lebenden Alligatoren beobachten können.

VORHERIGER BEITRAG | ZUR ÜBERSICHTSSEITE DIESER REISE | NÄCHSTER BEITRAG


 

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag mit Ihren FreundenPin on PinterestShare on FacebookGoogle+Tweet about this on Twitter

Möchten Sie immer auf dem laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie jetzt den CANUSA Blog!



29.September 2011  Rubrik: Aktuellste Beiträge, USA  Autor:


Kommentar schreiben

[huge_it_share]