Auf Vancouver Island abseits der Touristenpfade

Der Juan de Fuca Marina Trail, Blick auf die Küste

Juan de Fuca Marina Trail, Blick auf die Küste

Nachdem uns das Outdoor-Erlebnis im Sechelt Inlet so viel Spaß gemacht hatte, wollten wir ein ähnliches Abenteuer auch auf Vancouver Island erleben. Diesmal jedoch nicht mit einem Kajak, sondern zu Fuß. Als wir uns zu Hause auf unsere Reise vorbereiteten, hatten wir uns über drei große Trails auf Vancouver Island informiert: North Coast Trail, West Coast Trail und Juan de Fuca Marine Trail. Wir entschieden uns schließlich aus Zeit- und Budgetgründen für den Juan de Fuca Marine Trail, den unbekanntesten der drei Wanderwege, der abseits der typischen Touristenpfade verläuft.

Dieser Weg ist insgesamt knapp 50 Kilometer lang und führt südlich des West Coast Trail an der zerklüfteten Westküste entlang. Die Trailheads, die Ausgangspunkte, sind der Botanical Beach (nördliches Ende) und der China Beach (südliches Ende). Darüber hinaus gibt es einen weiteren Trailhead in der Mitte am Sombrio Beach. Eine gute Übersicht über den gesamten Trail, die einzelnen Passagen und die möglichen Campsites bietet diese Karte.

Den Abend und die Nacht vor der Wanderung verbrachten wir auf dem Campground im French Beach Provincial Park, der uns unterwegs empfohlen wurde und den auch wir ganz klar weiterempfehlen können. Der Campingplatz ist überschaubar, einfach und sehr gepflegt. Doch nicht nur der Platz oberhalb des French Beach ist gut, vor allem der Strand und der Küstenwald sind wirklich schön! Der French Beach ist ein Kiesstrand, überflutet von Treibholz. Die mystische Stimmung dort, geprägt durch leichten Nebel und etwas Wind, der die Wellen hochschlagen lässt, zog uns an dem Abend in ihren Bann und machte große Lust, am nächsten Tag loszuwandern. Wir hatten von einigen Wanderern und Einwohnern gehört, dass über Nacht häufig in die Autos eingebrochen würde, die auf den Parkplätzen an den Trailheads im Juan de Fuca Provincial Park stehen. Deshalb entschieden wir uns dafür, unseren Camper während der Wanderung auf dem Campground am China Beach zu parken. Für 13 Dollar konnten wir einen Platz bekommen und beruhigt am Trailhead loswandern. Wir entschieden uns für eine zweitägige Tour mit einer Backcountry-Übernachtung am Bear Beach (je Strecke ungefähr 10 Kilometer vom Campingplatz am China Beach aus). Wichtig für alle Wanderer: Man sollte unbedingt den Gezeitenplan mitnehmen, da einige Passagen des Trails bei Hochwasser nicht erreichbar sind.

Der Juan de Fuca Provincial Park-Botanical Beach in Vancouver Island

Juan de Fuca Provincial Park-Botanical Beach

Juan de Fuca Marina Trail, French Beach in Vancouver Island

Juan de Fuca Marina Trail, French Beach

 

 

 

 

 

 

Der Start ins Wanderabenteuer

Schwer bepackt und gut vorbereitet starteten wir am China Beach in unser Wanderabenteuer. Das erste Highlight war eine Suspension Bridge auf dem ersten Abschnitt des Trails. Von der Hängebrücke hatte man einen tollen Blick in den Creek, der einige Meter darunter entlangführte. Generell ist die Wanderstrecke bis zum Mystic Beach (etwa 2,5 Kilometer ab China Beach) und bis zum Bear Beach geprägt davon, Creeks zu überqueren und ständig auf und ab zu laufen. Unzählige Creeks kreuzen den Wanderweg und sind mit dem Gepäck auf dem Rücken nach den ersten Kilometern die eigentliche Herausforderung des Trails. Auf dem ersten Abschnitt bis zum Mystic Beach begegneten wir noch einigen Spaziergängern, die den beeindruckend schönen Strand für einen Tagesausflug besuchten. Wir machten dort eine kurze Pause, erfrischten uns und wanderten dann weiter durch den Küstenwald in Richtung Bear Beach. Ab hier begegneten wir nur noch zwei Trail-Läufern. Die Natur rund um den Juan de Fuca Marine Trail ist sehr abwechslungsreich, und die Strecke vom China Beach bis zum Bear Beach führt manchmal durch einen Mischwald mit riesigen, alten Zedern und Douglastannen, dann wieder durch Wälder, die eher den Eindruck machten, vor nicht allzu langer Zeit abgeholzt worden zu sein. Zwischendurch – insbesondere in der Nähe der vielen Creeks – wirkte die Vegetation mit üppigem, dichtem Grün am ursprünglichsten. Eine weitere Facette der Natur zeigte sich an den Passagen, die oberhalb der Küste verlaufen. Satt grüne Büsche und Sträucher, manchmal auch mit Blüten übersät, weckten einen mediterranen Eindruck und in uns das Gefühl, an der italienischen Küste zu wandern. Dies waren für uns die schönsten Abschnitte, nicht nur wegen der Vegetation, sondern vor allem auch, weil es dort immer wieder atemberaubende Ausblicke gab. Neben der Küste und den gegen die Felsen krachenden Wellen konnten wir dank der klaren Sicht auch die gegenüberliegenden Berge des Olympic National Parks im US-Bundesstaat Washington sehen.

Die Bear Beach am Juan de Fuca Marine Trail

Nach etwa vier Stunden erreichten wir früh genug unser Tagesziel, den Bear Beach. So langsam kam zwar die Flut, aber wir hatten trotzdem noch genug Zeit, den großen Strand zu erkunden, einen schönen Schlafplatz zu finden und Feuerholz zu suchen. Da an dem riesigen Strand weit und breit niemand außer uns war, konnten wir uns in aller Ruhe ausbreiten. Wir wählten einen großen Platz aus, lagerten unsere Vorräte im Food Storage, sammelten eine Menge Feuerholz und machten nach dem Essen ein großes Lagerfeuer am Strand. Die Abgeschiedenheit und die Ruhe an diesem wunderschönen Ort waren unbeschreiblich schön, wir genossen dort bis zum Sonnenuntergang die Stimmung. Auch diese Campsite war übrigens mit einem Plumpsklo ausgestattet. Wir haben uns immer wieder gewundert, dass selbst an den abgelegensten Orten die grundlegenden Hygienestandards gehalten werden.

Juan de Fuca Marina Trail,-Bear Beach

Die Bear Beach

Die Mystic Beach in Vancouver Island

Juan de Fuca Marina Trail,-Mystic Beach

Wir schliefen mit dem Rauschen der Wellen ein und wachten damit am nächsten Morgen auch wieder auf. Alle beide konnten wir dort am Bear Beach sehr gut schlafen. Gut erholt und nach einem ausgiebigen Frühstück am Strand machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg. Obwohl es der gleiche Weg wie am Tag zuvor war, nahmen wir die Strecke dank des umgekehrten Blickwinkels doch noch einmal ganz anders wahr. Die Ausblicke beim Auf und Ab durch und über die Creeks waren anders, und das schwere Gepäck auf dem Rücken belastete uns auch nicht mehr so sehr wie am Tag zuvor. Nach einer weiteren schöne Pause am Mystic Beach und vier Stunden später erreichten wir glücklich und verschwitzt unseren Camper am China Beach und hatten, nachdem wir unsere Wanderausrüstung wieder verstaut hatten, nur noch einen Wunsch: ausgiebig und warm duschen! Wir gönnten uns den Luxus und steuerten den Goldstream Provincial Park in Greater Victoria an, den wir am frühen Abend erreichten. Nach einem umfangreichen Pflegeprogramm genossen wir am Abend ein schönes und lang andauerndes Lagerfeuer (da wir am nächsten Tag mit der Fähre in die USA übersetzen wollten, verbrannten wir all unser Feuerholz) und unsere Erinnerungen an den wunderschönen Vorabend an unserem einsamen Strand.

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11.Dezember 2015  Rubrik: Aktuellste Beiträge, Kanada  Autor:


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