Olympic National Park – ursprüngliche Wälder und mystische Küsten

Sol Duc Falls im Olympic National Park

Sol Duc Falls

Die Natur des Olympic National Parks, die sich am Vortag schon als so schön angekündigt hatte, erlebten wir nun in ihrer ganzen Vielfalt. Vormittags unternahmen wir eine Wanderung zu den Sol Duc Falls – vom Parkplatz aus sind es je Strecke etwa 1,5 Kilometer – und von dort aus weiter zum Deer Lake, einem kleinen Bergsee auf rund 1100 Meter Höhe (etwa 7 Kilometer vom Parkplatz aus).

Während wir bis zu den Sol Duc Falls vielen Spaziergängern begegneten, konnten wir die Wanderer auf dem Weg zum Deer Lake an einer Hand abzählen. Die meiste Zeit wanderten wir allein durch den schönen, dichten Wald, was bestimmt auch daran lag, dass der Wanderweg schon nach kurzer Zeit mit recht starken Steigungen verläuft und der Boden mit Geröll und größeren Steinen oft uneben und schmal ist. Für diese Wanderung (vor allem bergauf) sind durchaus etwas Kondition und vor allem gutes Schuhwerk gefragt. Der Weg ist aufgrund der Steigungen zwar etwas anstrengender, aber – oder gerade deshalb – empfehlenswert. Am Wegesrand sieht man immer mal wieder kleine Bäche und winzige Wasserfälle, die auch an sehr sonnigen Tagen für eine angenehme Abkühlung sorgen. Für Backcountry-Camper ist der Trail ebenfalls interessant, denn sowohl am Deer Lake als auch auf dem Weg zwischen den Sol Duc Falls und dem See gibt es ein paar schön im Wald gelegene Campsites.

Am Deer Lake angekommen, suchten wir uns einen schönen Platz in der Sonne. Es war ein sonniger Tag, und unten am Parkplatz hatten wir 25 Grad Celsius gemessen, aber hier oben am See, wo noch Schnee lag, war es frischer. Wir trafen dort einen netten Wanderer, der sich kurz zuvor mit einem Bad im See erfrischte. Er schwärmte zwar davon, konnte uns dennoch ein Bad im eiskalten See nicht empfehlen. Später fühlten wir auch, warum: An einem kleinen Creek, der in den See floss, erfrischten wir unsere Gesichter mit dem eiskalten Wasser – brrr! Danach setzten wir uns auf einen Holzsteg, der am gegenüberliegenden Weg durch die Bergwiesen führte. Wir breiteten unser Picknick aus und genossen den Blick auf den See, den Wald und die Wiese, auf der sogar schon ein paar Blümchen blühten. Die Natur schien hier oben gerade erst aus dem Winterschlaf zu erwachen. Gestärkt und ausgeruht machten wir uns auf den Rückweg zum Camper und fuhren noch am Abend Richtung La Push, an die Küste des Olympic National Parks.

Trail zum Deer Lake

Deer Lake Trail

Sol Duc Regenwald im Olympic National Park

Der Sol Duc Rainforest

Je näher wir der Küste kamen, desto mehr verschwand nach und nach die Sonne, und es wurde immer diesiger. La Push ist ein kleiner, bei Surfern sehr beliebter Küstenort. Sehenswert sind dort vor allem die bizarren Felsformationen direkt am Strand. Obwohl es an dem Abend sehr diesig war, waren wir beeindruckt von der rauen Natur der Küste und von der mystischen Stimmung am nebeligen, von Treibholz übersäten Strand. Wir wollten eigentlich gern auf dem Campground in La Push übernachten, dem privat geführte Quileute Oceanside Resort, der direkt am Strand liegt, und auf dem man das Meeresrauschen hören kann. Doch außer der Lage waren wir leider nicht überzeugt, denn die einzelnen Plätze sind parzellenartig und liegen nur durch Holzbalken getrennt nebeneinander, rundherum nichts Grünes. Wir entschieden uns deshalb für den State Campground in Mora, der sehr schön mitten im Küstenregenwald und in nächster Nähe zum Rialto Beach liegt, einfach, aber gepflegt und mit 12 Dollar pro Nacht auch unschlagbar günstig ist. Leider fing es an dem Abend noch an zu regnen, sodass unser Lagerfeuer zum ersten Mal auf der Reise ausfallen musste.

Hole-in-the-wall am Rialto Beach

Rialto Beach, Hole-in-the-wall

Rialto Beach im Olympic National Park

Rialto Beach

Mystische Stimmung an der Küste Washingtons
Am nächsten Tag war das Wetter leider immer noch nicht viel besser. Der Nebel hing tief im Wald, aber es regnete nicht mehr. Tags zuvor bekamen wir am Deer Lake den Tipp, vormittags bei Ebbe am Rialto Beach zum Hole-in-the-Wall  zu laufen, um die Lebewesen in den sogenannten Tide Pools, den Gezeitentümpeln, zu beobachten. Genau das hatten wir uns vorgenommen und können es auch sehr empfehlen. Wir parkten unseren Camper am Rialto Beach und gingen von dort aus den Küstenwanderweg am diesigen Strand entlang zum Hole-in-the-Wall. Sofort waren wir von der mystischen Stimmung begeistert. Der Strand war so diesig, dass wir nur wenige Meter weit gucken und die Silhouetten der Felsformationen, die sich im Wasser nur direkt vor dem Strand befanden, nur erahnen konnten. Der nebelverhangene Küstenwald, der Strand mit den unzähligen Treibholzstapeln und die Konturen der Felsen im Wasser inszenierten eine Stimmung, wie wir sie noch nie an einem Strand erlebt hatten. Mystisch, faszinierend und fast unwirklich schön, denn nach fast jedem Schritt sahen wir wieder etwas mehr von dem, was sich hinter dem Nebel verbarg. Den Hole-in-the-wall und seinen Tide Pools erreichten wir gemütlich nach etwa 45 Minuten (2,5 Kilometer Strecke), und genau dann lichtete sich auch die dichte Wolkendecke für einige Augenblicke, sodass sich die Farben unserer Umgebung von einem Graugemisch hin zu Erd-, Grün- und Blautönen änderten. Ungewohnte Farben für unsere bereits an das Grau gewöhnten Augen. Als wir am Hole-in-the-Wall ankamen, waren wir fasziniert von den riesigen Felsgestalten vor uns, die wir endlich klar erkennen konnten. Unser absolutes Highlight waren die Entdeckungen in den Tide Pools am Fuße der Felsen (Achtung, sehr rutschig!). Je länger wir stöberten, desto mehr Meeresbewohner konnten wir entdecken: Seesterne in allen erdenklichen Farben, grüne und rosa Korallen und viele kleine Fische tummelten sich in den Becken. Wir hätten unsere Entdeckungstour am Strand noch stundenlang fortsetzen können, machten uns stattdessen aber auf den Weg zum nächsten mystischen Strand, dem Second Beach, nur wenige Kilometer vom Rialto Beach entfernt.

Tidepools, Seestern

Seestern am Rialto Beach

Stimmungsvolle Second Beach

Stimmungsvolle Landschaft am Second Beach

 

 

 

 

 

 

Spaziergang durch den Hoh-Regenwald
Wir parkten am Trailhead und kamen dort mit einem Pärchen ins Gespräch, das uns auf unseren Camper ansprach – in den USA sprach man uns täglich mehrmals darauf an. Die Marke CanaDream war dort – anders als in Kanada – nicht bekannt, und weil sowohl der Truck als auch der Camper sehr neu waren und Truck Camper anscheinend auch gebraucht gekauft sehr teuer sind, waren alle ganz begeistert von unserem schicken Wohnmobil. Wer uns angesprochen hat, konnte kaum glauben, dass es sich um ein Mietfahrzeug handelt. Wir verabredeten uns mit dem Pärchen für ein Lagerfeuer am Abend auf dem Campground im Hoh Rain Forest und spazierten los zum Second Beach. Dort beginnt der Pacific Northwest Trail Richtung Süden. Sowohl auf dem Parkplatz als auch auf dem Weg zum Strand trafen wir viele Backcountry Hiker und kaum Spaziergänger. Der Weg zum Strand führt durch einen urgrünen, dicht bewachsenen Küstenregenwald und ist sehr gut zu gehen. Nach etwa einer halben Stunde kamen wir am Second Beach an. Der Strand ist mindestens genauso schön wie der Rialto Beach, die zerklüftete, raue Felsküste des Olympic National Parks präsentiert sich in der Bucht von ihrer schönsten Seite. Wir setzten uns auf eines der unzähligen Treibhölzer, und da sich der Nebel etwas verzogen hatte, hatten wir eine recht klare Sicht und genossen die Aussicht. Der Strand bietet so viele Fotomotive, eines schöner als das andere. Beeindruckt von der Bildbandschönheit der Küste Washingtons spazierten wir zurück und fuhren mit einem Zwischenstopp in Forks zum Hoh Rain Forest. Dort erwartete uns nicht nur das Pärchen vom Nachmittag, sondern auch wieder strahlender Sonnenschein. Den einfachen, gepflegten Campground können wir sehr empfehlen. Er liegt direkt am Hoh River, in dem abends oft Elche zu sehen sind, und ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen durch den Regenwald.

Regenwald in Washington State

Trail durch den Hoh Rainforest

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17.Dezember 2015  Rubrik: Aktuellste Beiträge, USA  Autor:


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