Nashville – Music City USA

Goldene Schallplatten in der Country Hall of Fame

Der nächste Morgen zeigt sich sehr regnerisch im Land between the Lakes von Kentucky. Somit hält uns nichts mehr von der Weiterfahrt nach Nashville, der berühmten Music City USA, ab. Die Stadt selbst bietet außer einer inzwischen einigermaßen hergerichteten kleinen Downtown nicht viel. Auf keinen Fall verpassen darf man jedoch die Country Music Hall of Fame! Natürlich besuchen wir diese. Für $ 22 bekommt man einen Audio Guide, ein Handgerät, welches einem auf Knopfdruck zur in der Ausstellung entsprechend gekennzeichneten Stelle die passende Geschichte erzählt. Sehr praktisch und informativ, so kann jeder seine ganz persönliche Besichtigungsgeschwindigkeit wählen.

Auf zwei Stockwerken wird die komplette Geschichte der Countrymusik und aller verwandten Musikstile wie Bluegrass, Blues, Jazz und Rock’n’Roll vorgestellt, vorgespielt und erläutert. Wir verbringen hier zwei Stunden und bestaunen unter anderem den Goldenen Flügel von Elvis, viele Originalbühnenkostüme und hunderte Schallplatten in Gold und Platin. Krönender Abschluss ist die eigentliche Hall of Fame mit den Bronzeplatten der bedeutendsten Countrymusiker aller Zeiten.

Beeindruckt und natürlich mit einer Country-CD in der Hand verlassen wie diese Heilige Stätte. Nun geht es auf zum zweiten Heiligtum: der Grand Ole Opry. Hier wird seit 1925 freitags und sonnabends eine Country-Music-Show aufgenommen und live im Radio gesendet. Es ist damit die älteste ununterbrochen gesendete Radioshow der Welt.

Und dann geht es los: mit dem Bus Shuttle zum Grand Ole Opry House, wo wir mit unseren Plätzen ganz zufrieden sind. Die Show ist in vier Teile a 30 Minuten geteilt, die jeder von einer anderen Firma gesponsert werden. Für uns Europäer ist das gewöhnungsbedürftig, aber wahrscheinlich wären die Tickets sonst deutlich teurer.

Zu Beginn steigt Lil‘ Jimmy Dickens auf die Bühne. Er ist ein Urgestein der Grand Ole Opry Family, Mitglied seit 1948 und moderiert Witze erzählend nach einem ersten Song den ersten Teil. Er ist klein, neunzig Jahre alt und quicklebendig.

Und dann folgt im vierten Teil ein historischer Moment, der uns vorher vollkommen unbewusst war. Schon als die Oak Ridge Boys die Bühne betreten, kennen viertausend Amerikaner kein Halten mehr. Die ersten zwei Songs werden mitgesungen und die vier Jungs, einer mit ZZ Top Bart, einer als Carlo von Thiedemann Verschnitt die Rampensau schlechthin und ein weiterer mit so tiefer Stimme wie wir sie noch nie gehört haben. Coole Country Boys! Und diese Vier, seit Jahrzehnten bekannt, erhalten heute Abend, gekürt von Lil‘ Jimmy die Ehre, in die Grand Ole Opry Family aufgenommen zu werden. Gerührt und mit aufgeregter Stimme bedanken sie sich herzlichst und geben zum Abschluss ein a capella Amazing Grace zum Besten – super!

Wir entscheiden uns übrigens nach diesen Eindrücken, nicht weiterzufahren, sondern übernachten mit zwei anderen Wohnmobilen auf dem übergroßen RV-Parkplatz des Hotels.

Am folgenden Morgen brechen wir zeitig und ohne Frühstück auf. Ein kurzer Stopp bei Walmart füllt unseren Kühlschrank wieder auf und dann halten wir noch im Premium Outlet, weshalb wir diesen Umweg von ungefähr zwanzig Meilen überhaupt gemacht hatten. Es ist – warum auch immer – Tax Free Weekend, was bedeutet, dass alle Geschäfte ihre Waren von Freitag bis Sonntag ohne Mehrwertsteuer verkaufen dürfen. Schnell sind drei Stunden vergangen, ehe wir uns auf die eigentliche Strecke des Tages gen Süden nach Lynchburg begeben. Klingelt’s? Ja, genau Lynchburg, wo alte Männer gemächlich zwischen schwere Eichenfässer entlang spazieren. Hier wird der berühmte Tennessee Whiskey von Jack Daniel’s hergestellt, wovon wir uns überzeugen wollen. Schließlich war Whiskey schon eins meiner wirtschaftsgeografischen Referatsthemen in Schottland.

Häuserfassade in Lynchburg, Tennessee

Lynchburg in Tennessee

Haus im Südstaaten Stil

Southern State Mansion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch die Tour ist recht lang und wir wollen uns nicht hetzen, haben aber für heute sowieso nur einen Stadtbummel eingeplant und werden die Destillerie erst morgen besuchen. Auch gegen halb fünf ist es hier unglaublich heiß. Wir sind durch die letzten zehn Tage schon einiges gewöhnt, aber so heiß war es bislang noch nirgends. Zum Glück kann man dieses pittoreske Städtchen in 30 Minuten locker erkunden. Und das lohnt sich. Schmucke Westernstores und ehrwürdige Villen verstrahlen alten Glanz. Nur richtig belebt wirkt es nicht.

Camper in Lynchburg

Mitten in Lynchburg

Das Welcome Center in Lynchburg, Tennessee

Lynchburg Visitor Center

 

 

 

 

 

 

 

Im Anschluss beschließen wir nicht noch 30 Meilen bis zum nächstgelegenen Campground zu fahren, sondern auf dem Rastplatz kurz vor dem Stadtrand zu nächtigen. Ob das so ganz erlaubt ist wissen wir nicht, aber letztlich stört sich keiner daran, dass wir hier grillen, Glühwürmchen beobachten und schließlich müde ins Bett fallen.

 

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26.September 2011  Rubrik: Aktuellste Beiträge, USA  Autor:


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