L’Anse au Clair – Battle Harbour

Die National Historic Site Battle Harbour

Heute fahren wir zunächst nach L’Anse Amour (L’Anse bedeutet „die Bucht“, die Bezeichnung stammt aus der Zeit, in der die Franzosen diese Region entdeckten), wo es den höchsten Leuchtturm Atlantik-Kanadas zu bestaunen gibt. Das letzte Stück Straße bis zum Leuchtturm ist eine Schotterpiste, die man aber auch ohne Vierradantrieb problemlos befahren kann. Nach anfänglichem Nebel klart es plötzlich auf, und ganz mystisch tauchen auf einmal zwei Eisberge auf. Wir sind gerade dabei, Fotos zu machen, als es sich schlagartig wieder zuzieht und die Eisberge wieder verschwinden. Es wirkt, als wären sie nie da gewesen! Wir wandern ein Stück die Küste entlang, auf einem Wanderweg, der direkt am Strand verläuft. Hier wurden viele Wrackteile von Schiffen angespült, und auf Hinweistafeln kann man lesen, von welchem Schiff die Teile stammen und wann es in der Strait of Belle Isle gesunken ist. Einmal mehr wird einem die enge Verbundenheit der Region zum Meer und zu Schiffen deutlich.

In West St. Modeste halten wir an einer Bäckerei und besorgen uns Sandwiches zum Lunch. Nur eine kurze Strecke davon entfernt entdecken wir den Pinware Provincial Park, wo wir eine Bank mit Aussicht auf das Wasser finden. Wir beißen gerade genüsslich in unsere Sandwiches, als ein Ranger mit Fotoapparat auftaucht und uns fragt, ob wir ihn schon entdeckt hätten. Ihn??? Damit ist der Schwarzbär gemeint, der etwa 400 Meter von uns entfernt seelenruhig am Wasserrand nach kleinen Fischen sucht. Im Fernglas können wir das majestätische Tier sehr gut beobachten. Der Ranger erzählt uns, dass der Bär jeden Tag um diese Zeit an der Stelle zu finden ist und danach genau dort über den Parkplatz läuft, wo wir gerade sitzen. Wir beobachten den Bären noch eine Weile, bis er sich tatsächlich in unsere Richtung aufmacht. Leider verschwindet er dann doch vorher im Gebüsch, und wir machen uns lieber aus dem Staub.

Der nächste Streckenabschnitt führt uns nach Red Bay und gibt einem zum ersten Mal einen Eindruck von der Weite und der Einsamkeit Labradors. Hier gibt es noch sehr viel unberührte Natur, und wir empfinden ein Gefühl von Abenteuer. Red Bay lassen wir zunächst rechts liegen, da wir hier auf dem Rückweg noch übernachten werden. Ab jetzt ist der Trans-Labrador Highway nicht mehr geteert – nun geht es weiter auf einer Gravel Road. Wir sind froh über unseren komfortablen SUV, sehen aber auch völlig normale Autos im kleinsten Format über die Piste rasen. Man sollte auf die riesigen Trucks aufpassen, die einen gelegentlich ziemlich sportlich überholen oder einem entgegenkommen. Wir pendeln uns bei 60 bis 70 km/h ein und genießen die Einsamkeit.

Die herrliche Red Bay

Am späten Nachmittag erreichen wir Mary’s Harbour. Von hier aus fährt ein kleines Boot nach Battle Harbour, einer National Historic Site auf einer winzigen abgelegenen Insel. Dort gibt es weder Autos noch Fernseher oder Internet. Wir stellen unseren Wagen auf dem kostenlosen Parkplatz an der Fähre ab und nehmen jeder nur einen Rucksack mit dem Nötigsten mit. Der Parkplatz ist absolut sicher, und man kann bedenkenlos sein Gepäck im Auto lassen. Bereits beim Einchecken werden wir gefragt, ob wir am Abend in der Community Dining Hall essen und am nächsten Morgen auch dort frühstücken wollen. Das wird dann gleich an die Küche übermittelt, damit man auch vorbereitet ist.

Auf dem Weg zum Battler Harbour

Das Boot navigiert durch eine Ansammlung kleiner Inseln, und nach einer Stunde erreichen wir das Ziel. Battle Harbour sieht aus wie im Bilderbuch! Eine kleine Ansammlung von Häusern an der Vorderseite der hügeligen Insel, eine Kirche und ein kleiner Hafen. Man fühlt sich ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzt. Battle Harbour war einst die Hauptstadt von Labrador und während der Blütezeit der Kabeljaufischerei das wirtschaftliche Zentrum dieser Region. Ein National Historic Trust hat sich der Erhaltung dieses einmaligen Schatzes angenommen und finanziert sich durch Übernachtungsgäste und Tagesbesucher.

Cottage auf Battle Harbour

Man begrüßt uns in Battle Harbour herzlich und sehr persönlich. Wir werden zusammen mit zwei Reisenden aus Toronto, die ebenfalls mit auf dem Boot waren, direkt in die Community Dining Hall gebracht. Das Essen ist bereits fertig, leckerer Duft von frischem Brot zieht uns in die Nase. Hier, über dem General Store, der auch als Check-in dient, essen alle Gäste gemeinsam. Jeder stellt sich jedem vor, und schon ist eine muntere Unterhaltung im Gange. So kommt man ganz schnell mit Gästen und Angestellten in Kontakt. Wenn man lieber unter sich bleiben möchte, gibt es auch die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen und in der Unterkunft zu essen. Grundnahrungsmittel sowie Bier und Wein kann man gleich bei Ankunft im General Store erwerben.

Nach dem Essen bringt uns Nancy aus dem General Store zu unserem Cottage. Ein mit Brettern gebauter Weg führt an den einzelnen Häusern vorbei über die Insel. Wir sind im Spiering Cottage untergebracht. In der Küche brennt bereits das Feuer im Herd – die einzige Art, um hier zu heizen. Wir fühlen uns gleich wie zu Hause und genießen erst mal einen schönen Rotwein. Um neun Uhr abends läuten die Kirchenglocken der kleinen Holzkirche nebenan. Mit der bereitgestellten Taschenlampe machen wir uns auf den Weg durch die Dunkelheit. Wir fühlen uns wirklich in der Zeit zurückversetzt. In der Kirche wartet bereits Gordon Slade. Er ist im Vorstand des Trusts von Battle Harbour und hat angeboten, heute Abend in der Kirche für die Gäste Geschichten über Labrador zu erzählen. Bei Kerzenlicht liest er Anekdoten von Entdeckern und ersten Siedlern vor, und es werden sogar einige Lieder gesungen. Draußen ist es mittlerweile stürmisch geworden. Wir genießen die Atmosphäre und freuen uns über dieses besondere Erlebnis. Müde und voll von tollen Eindrücken fallen wir heute in unser gemütliches Bett.

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3.August 2012  Rubrik: Aktuellste Beiträge, Kanada  Autor:


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