Kanada, wie wir es erlebt haben – Teil 4

Cabin in Clearwater

17. Oktober 

Heute führt unsere Reise uns nach Clearwater, wir passieren zum dritten Mal eine Zeitzone und sind jetzt, in British Columbia, in der Pazifikzeit angekommen. Unser heutiges Hotel hat eine kleine Küchenzeile und sieht fast aus wie ein Motel. Für mich ist heute mal wieder „Waschtag“, und meine Männer sind auf Pizza-Jagd – übrigens sehr erfolgreich!

18. Oktober 

Nach einer ziemlich anstrengenden Fahrt durch die Rockies erreichen wir heute Whistler. Ich bin froh, dass der Winter in British Columbia noch nicht richtig ausgebrochen ist, denn diese Passstraße ist wirklich anspruchsvoll, teilweise darf man nur 20 Stundenkilometer fahren. Zu viel Fantasie ist nicht gut auf dieser Strecke, denn in meinem Kopf sind wir nicht nur einmal zu nah am Abgrund gewesen. Die wundervollen Bergpanoramen sind aber hundertprozentig die Mühe wert.

Unser Hotel befindet sich mitten in Whistler und hat einen beheizten Außenpool sowie einen Whirlpool; am Abend haben Jürgen und Sebastian alles für sich allein. Für das Auto haben wir, ein paar Gehminuten vom Hotel entfernt, einen kostenlosen Parkplatz gefunden. Zu dieser Jahreszeit ist das völlig problemlos. Unser Abendessen lassen wir uns in der Old Spaghetti Factory schmecken und lernen dabei einen jungen Mann kennen, der seit zwei Monaten in Whistler arbeitet. Er kommt aus Deutschland und möchte jetzt, nach seinem Abitur, ein wenig die Welt kennenlernen. Es ist schön, mal wieder mit jemandem deutsch zu sprechen!

19. Oktober 

Die heutige Strecke nach Victoria beträgt nur 250 Kilometer, unser Navi sagt aber dafür eine Fahrzeit von mehreren Stunden voraus, mal schauen. Die Route führt mehr oder weniger an Vancouver vorbei zur Fähre nach Vancouver Island. Die Zufahrt zu den Fähren ist für europäische Verhältnisse mal wieder riesig; wir können auf der uns zugewiesenen Spur (jede einzelne ist mehrere Hundert Meter lang) auf unser Schiff warten. Wir haben noch knapp zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt nach Vancouver und schlendern deshalb einmal durch die Wartezone des Fährhafens. Ein schöner gemütlicher Kaffee muss natürlich auch sein. Nebenan am Spielwarenstand zeigt der Verkäufer gerade einem Interessierten ein UFO: Das Gerät passt sich der Hand des Spielers wie durch Zauberei an; hebt er die Hand, steigt es hoch, senkt er die Hand, folgt das Gerät ebenfalls. Mit dieser Beobachtung haben wir fast 30 Minuten unserer Wartezeit überbrückt. Es ist ein tolles Gefühl, „Zeit zu haben“. Es gibt noch jede Menge anderen Schnickschnack in diesem Gebäude, wir verbringen aber den Rest der Zeit im Auto.

Fähre nach Vancouver Island

Zuerst werden die Lkw und die Busse verladen, dann sind die Pkw dran. Genau wie auf dem Hafengelände sind auch hier Spuren auf den Boden gemalt, und ein freundlicher Platzanweiser zeigt uns die richtige Richtung. Danach haben wir Schwierigkeiten, einen guten Platz zum Schauen zu ergattern, denn das Schiff ist recht voll, doch draußen, auf dem Deck ganz oben, klappt es.

Erst gegen sechs Uhr sind wir in unserem Hotel. Wir hätten nicht gedacht, dass wir so lange brauchen würden – es waren ja nur 250 Kilometer!

20. Oktober 2011

In Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, machen wir uns nach einem späten Frühstück (wir wollten mal richtig ausschlafen) auf den Weg, um Kanadas ältestes Chinatown (um 1870 entstanden) zu besuchen. Es ist nicht sehr groß, vermittelt aber einen guten Einblick in das Leben der hiesigen Chinesen. Dort gehen wir auch durch die schmalste Gasse Kanadas, die Fan Tan Alley. Sie war früher einmal ein Sündenpfuhl mit Spielhallen und Opiumbars. Die Straße ist so schmal, dass man am Beginn nicht einmal die Arme zu beiden Seiten ausstrecken kann.

Von dort aus zieht es uns zum Hafen. Fast alle fünf Minuten kann man das Geräusch der startenden oder landenden Wasserflugzeuge wahrnehmen. Wir bewundern das jetzt mit rot gefärbtem Weinlaub bewachsene imposante Empress Hotel und schauen uns das Miniatur-Museum an, das in einem Seitenflügel des Hotels untergebracht ist. Wie schafft man es nur, solche kleinen Figuren, Autos, Busse, Schiffe, Bäume, Häuser, Eisenbahnen, Brücken und so weiter herzustellen, und dann auch noch so realistisch? Das ist einfach nur schön. Dort gibt es auch das kleinste funktionierende Sägewerk zu bewundern.

Bei einem Spaziergang entlang des Innenhafens sehen wir einem Inuit beim Schnitzen zu. Wir möchten gern etwas bei ihm kaufen, es aber nicht die ganze Zeit mit uns herumtragen, deshalb fragen wir ihn, wie lange er noch hier ist. Zur Antwort deutet er mit seinem Arm auf die Sonne. Er sagt, die Sonne sei jetzt hier; wenn sie dort sei – er streckt den anderen Arm aus, an einem Kreis gemessen etwa 90 Grad weiter –, packe er seine Sachen ein. Eine Uhrzeit hätte uns doch auch genügt …

Parlamentsgebäude in Victoria, British Columbia

Wir schauen uns noch das Parlamentsgebäude, den Sitz der Gesetzgebenden Versammlung in British Columbia, und eine wirklich riesige Tuja davor an und schlendern langsam zurück zu unserem Schnitzer. Er freut sich sehr, als er uns sieht, und poliert seine Schnitzerei noch einmal besonders gründlich, anschließend schreibt er auf die Rückseite das heutige Datum und seinen Namen. Jetzt haben wir endlich etwas gefunden, das wir unseren Daheimgebliebenen mitbringen können, und wir haben die Herstellung sogar auf Videofilm gebannt.

21. Oktober 2011

Regen!!! Wir entschließen uns, trotz des Regens nach Fort Rodd Hill zu fahren. Es schüttet nicht aus Eimern, aber es regnet sich so richtig ein, egal. Wir sind wieder mal allein auf weiter Flur und besichtigen alles ganz genau. Sebastian erklärt uns die Unterschiede der einzelnen Geschosse, die, hinter Gittern gelagert, gezeigt werden. Vom Ausguck aus kann man sehr weit auf die Salish Sea schauen, es sind vereinzelt kleinere Schiffe zu sehen, aber auch ein Boot der Küstenwache, die Grenze zu den USA ist nicht sehr weit.

Trotz des Regens schlendern wir zum stillgelegten Fisgard Lighthouse, dem ältesten Turm an der Westküste Kanadas. Dort erhält man einen guten Eindruck von der Zeit, als der Turm noch in Betrieb war. Es war ganz schön anstrengend, so ein Leben als Leuchtturmwärter. Auf dem Rückweg sehen wir noch einige spielende Seehunde. Es kommt uns so vor, als wären wir ein Teil dieser Natur, alles ist so nah und scheint nur darauf zu warten, berührt zu werden.

Der Regen setzt uns nun so zu, dass wir beschließen, nach Victoria zurückzufahren. Dort schauen wir uns aus dem Auto heraus die sehr gut erhaltenen Häuser im Kolonialstil an. Würden keine modernen Autos davor parken, könnte man glauben, im 19. Jahrhundert zu sein.

22. Oktober 

Von Victoria aus geht es zu unserem nächsten Ziel: Vancouver. Die Überfahrt mit der Fähre geht schnell. Wir haben Glück, wir können gleich auf das Schiff. Unser Hotel hat über 30 Stockwerke, und wir sind im 18. untergebracht. Das Zimmer ist schon eher eine Suite, und einen Balkon haben wir auch, von dem aus wir sehr gut die Downtown in Vancouver überblicken können.

Skyline von Vancouver

Wir machen noch einen Spaziergang zum Jachthafen in Vancouver und können kaum glauben, dass diese tollen Schiffe wirklich Privatpersonen gehören sollen. Eines ist größer und schöner als das andere. Auch zwei Hausboote liegen dort, mit Hausnummer an der Tür und Blumenkästen an der Seite. Die meisten der Jachten sind schon für den Winter vorbereitet, einige stehen auch zum Verkauf. Eigentlich schade, dass uns das Kleingeld dafür fehlt, aber was sollten wir auch mit so einem Schmuckstück anfangen, und dann auch noch so weit weg von zu Hause?!

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17.Januar 2012  Rubrik: Aktuellste Beiträge, Kanada  Autor:


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