In der Wildnis der Napali Coast unterwegs

Blick auf die Napali Coast auf Kauai

Am nächsten Morgen wache ich von den ersten Stimmen auf, die um das Zelt herum zu hören sind. Da ich nichts verpassen möchte, stehe ich gleich auf. Eigentlich wollte ich zur Wiese am Red Hill der Napali Coast gehen, verwerfe den Plan aber nach den ersten 500 Metern, weil mir der Weg dann doch ein bisschen zu weit ist. Stattdessen gehe ich hinunter zum Meer und schwimme ein bisschen, auch wenn das wegen der starken Strömung nicht ganz ohne ist und man lieber in Strandnähe bleiben sollte. Noch ist die Sonne nicht hinter dem Valley aufgegangen, und ich nutze die morgendliche Stimmung und schlendere am Strand entlang zum Wasserfall. Erst jetzt fällt mir eine Art schwarze Röhre an der Felswand auf, aus der Wasser rauscht – ideal, um eine Dusche zu nehmen! Ein besonderes Erlebnis. Später während unseres morgendlichen Breis sprechen wir über ein Feuer, das wir in der Nacht bemerkt haben. Carrie und ein Unbekannter sind davon aufgewacht und haben es gelöscht. Offenbar hat ein Zelt gebrannt.

Napali Coast

Michael und ich wollen eine weitere Wanderung in der traumhaften Napali Coast unternehmen und gehen zurück zu Meile 10. Dort zweigt ein Weg ab, der in Richtung Tal führt. Nach einigen Metern sehe ich einen großen Stein, klettere hinauf und genieße die großartige Aussicht zu beiden Seiten – zum einen in Richtung Meer und zum anderen hinein ins Valley. Dann führt der Weg steil bergauf. Wir entdecken die uralten Taro-Felder der Menschen, die hier vor 200 Jahren angesiedelt waren. Heutzutage sind die Felder aber ziemlich verkommen, man erkennt nur noch die aufgestapelten Steine als Grenzen. In einem guten Tempo geht es weiter, und wir erreichen schon bald ziemlich weit oben einen Pool. Dort sitzen einige sehr freundliche Hawaiianer, die uns nett begrüßen und für einen Plausch zu haben sind. Da der Weg hinauf ziemlich anstrengend war und uns warm ist, nutzen wir die Gelegenheit und springen kurzerhand nackig ins Wasser. Das Becken muss man sich wie einen runden Swimmingpool vorstellen, der tief genug ist, um hineinspringen zu können. Schön erfrischt und nachdem wir uns von den Leuten verabschiedet haben, machen wir uns wieder auf den Weg und kommen bald in einen Wald voller Guaven. Die Früchte schmecken sehr gut, also nehmen wir noch einige für unsere Freunde mit. Der Rückweg ist leicht zu erkennen und weniger beschwerlich. Am Ende bin ich aber ziemlich müde und ziehe mich schnell zurück in mein Zelt, das in der Sonne steht, bitte aber Michael noch, mich kurz vor dem Sonnenuntergang zu wecken. Nachdem ich mich gut erholt und eine Kleinigkeit gegessen habe, machen wir uns wieder auf den Weg zum Meer. Dieser Abend ist so schön wie tags zuvor. Ein tiefes Orange sticht am Horizont hervor, und die Venus wird als heller Punkt am Himmel sichtbar.

Am Morgen danach brechen wir früh auf. Wir wollen eine lange Wanderung mit zwei Übernachtungen machen. Zunächst geht es hinauf auf den Red Hill – der Aufstieg ist der Hammer. Ich bin vorgelaufen und habe alles gegeben. Das war anstrengend, und danach brauchte ich erst mal eine große Pause. Wir haben geplant, zwischendurch eine halbstündige Mittagspause einzulegen. Michael und ich nutzen die Zeit für einen schnellen Mittagsschlaf. Kurz darauf werden wir wieder geweckt, denn vor allem John ist richtig motiviert, weiterzugehen. Wir wollen unbedingt noch unser Tagesziel erreichen.

Campen in der Wildnis der Napali Coast auf Kauai

Die vielen Serpentinen, die der Weg nach oben beschreibt, erinnern mich an den Trail, auf dem wir vor ein paar Tagen hergekommen sind. Und auch hier bietet es sich immer wieder an, eine kurze Pause zu machen und die Aussicht der Napali Coast zu genießen – die ist wirklich immer wieder faszinierend. Der Horizont scheint unendlich, Vögel fliegen vorbei, und das Rauschen des Meeres ist unüberhörbar. Nur die Helikopter passen nicht so ganz ins Bild, sie fliegen ständig die Napali Coast auf und ab und stören dabei natürlich die Ruhe der Hiker. Etwas später treffen wir auf eine Gruppe, die dabei ist, den Weg auszubessern. Wir müssen auf die andere Seite des Flusses wechseln und schlagen am frühen Abend unser Nachtlager auf.

Der nächste Morgen gibt sich im Tal zunächst regnerisch, und erst nach einer Weile können wir samt Zelt weiterziehen. Offenbar hat es sich ausschließlich im Tal abgeregnet. Der vor uns liegende Abschnitt des Weges lässt sich schnell hinter uns bringen. Einmal geht es ziemlich weit hinauf und anschließend die nächsten anderthalb Meilen bergab bis zum Hanakapiai Beach. Die Landschaft hier ist wieder ein Traum. Wir klettern auf den vielen Steinen abwärts und baden dann wieder im Meer – wunderbar erfrischend, es ist einfach ein tolles Gefühl! Während ich gerade meine „Hütte“ betrete, fängt es ordentlich an zu regnen. Ein perfektes Timing. Auch mein Zelt hält das aus. Der letzte Härtetest ist also bestanden – für mich und für das Zelt …

Entspannen an der Helicopter Landing Zone

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5.September 2013  Rubrik: Aktuellste Beiträge, Hawaii  Autor:


Ein Kommentar für “In der Wildnis der Napali Coast unterwegs”

  1. Kolja sagt:

    Das klingt sooo spannend. Bin schon neugierig wie es weitergeht!

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