Dirty Linen Day, Po-Boy und entspannte Alligatoren

Parade von Leuten mir roten Kleidern in New Orleans

Der „Dirty Linen Day“ in New Orleans

Leah, die wir im Houmas House kennengelernt haben, ist freiwillige Stadtführerin in New Orleans und hatte uns ihre gemeinnützige Organisation Friends of the Cabildo  für Führungen durch das French Quarter empfohlen. Malcom „Monk“ ist unser Guide und wird uns jetzt gute zweieinhalb Stunden durch dieses Stadtviertel führen. Es ist nicht nur das touristische Zentrum von New Orleans, sondern gleichzeitig auch ein ganz normales Wohngebiet. Es gibt natürlich unzählige Bars, Bistros und viele gute Restaurants sowie Läden mit Souvenirs und Nepp. Daneben findet man auch Lebensmittelgeschäfte und Läden für den alltäglichen Bedarf. Auch zwei Schulen zeugen davon, dass es durchaus auch ein Viertel der Einheimischen ist.

 

Als wir herumgehen, sind wir von den vielen alten, gut erhaltenen, wunderschön mit gusseisernen Balkons und verzierten Fassaden bestückten Bauten begeistert. Eine Straße ist hier schöner als die andere. Und wuselig belebt ist es hier schon in den Morgenstunden. Heute ist Dirty Linen Day: Im Sommer ist nicht so viel los; touristisch ist es hier wegen der Hitze Nebensaison, und die Einheimischen machen, soweit sie können, Urlaub. Um das Geschäft anzukurbeln und gleichzeitig für Unterhaltung in dieser so lebensfrohen Stadt zu sorgen, hat man sich den White Linen Day ausgedacht. Seit 2001 zieht sich die ganze Stadt am ersten Sonnabend im August weiß an, besucht die am Abend extra länger geöffneten Galerien und genießt günstige oder kostenlos gereichte Snacks und Wein. Das Ergebnis ist, dass die weiße Leinenkleidung nicht weiß bleibt. So entstand dann der Dirty Linen Day: Am folgenden Sonnabend laufen alle in roten Kleidern herum und feiern am Abend ebenso wie am Wochenende zuvor. Und das mit den roten Kleidern gilt nicht nur für Frauen. So passiert es also, dass uns massenhaft Gruppen begegnen, die allesamt sehr vergnügt in roten Kleidern durch die Stadt laufen und ihren Durst mit Lite Beer stillen. Ganz öffentlich übrigens, was in jeder anderen Stadt der USA undenkbar wäre …

Blick auf das Schloss im französischen Stil in New Orleans

Ein Schloss im French Quarter von New Orleans

Die Stadtführung kann ich jedem empfehlen, um einen Einblick in die Geschichte des French Quarter zu bekommen. Uns wird sogar der Zugang in einen privaten Hinterhof gewährt. Hier wohnt ein anderer freiwilliger Stadtführer, der uns seine Geschichte erzählt. Vom Hurrikan Katrina wurde sein Haus 14 Fuß hoch überflutet, all seine Habseligkeiten wurden vernichtet, das Haus unbewohnbar. Er verkaufte es für ein Drittel des ursprünglichen Preises und zog ins French Quarter. Hier lebt er heute spartanisch auf 36 Quadratmetern in einem zweistöckigen Hinterhofhaus. Diese Gebäude dienten früher als Küchenhäuser, als Unterkünfte für die Sklaven oder als Garçonnières, wo die halbwüchsigen Jungs allein lebten, ohne die Familie durch ihre Eskapaden zu stören.

Im Anschluss an die durch die Hitze durchaus erschöpfende Führung erholen wir uns im Riverfront Café bei einem Po-Boy, der traditionellen Mahlzeit armer Leute. Es handelt sich um ein französisches Weißbrot, das mit Salat und frittiertem Fleisch oder Fisch gefüllt ist. Ich habe Alligator gewählt, und es hat super geschmeckt.

Mit der Straßenbahn (Street Car, 1,25 Dollar pro Person) der grünen Linie erreichen wir dann nach etwa 15 Minuten den Garden District. Hier müssen die reicheren Leute wohnen, die alten herrschaftlichen Villen zeugen ganz eindeutig davon.

 

Wir bummeln ein Stündchen durch die ruhigen Straßen und staunen. Gerne würden wir hier noch einen weiteren Tag verbringen, doch noch eine Nacht bei dieser Hitze auf dem Parkplatz wollen wir uns nicht zumuten. Bevor wir jedoch weiterfahren, nehmen wir einen Tipp unseres Stadtführers auf: In der Frenchmen Street am östlichen Ende des French Quarters gehen die Einheimischen aus. Dort gibt es eine ganze Reihe einfacher, aber guter Cafés und Kneipen, in denen an einigen Tagen in der Woche, zumindest jedoch am Wochenende, Livemusik gespielt wird. Es ist vier Uhr am Nachmittag – um diese Zeit soll es in manchen Bars schon losgehen. Gesagt, getan, gefunden. In The Spotted Cat Music Club spielt ein Trio: Bass, Mundharmonika und Gitarre mit Gesang. Sehr angenehme Musik, sehr kaltes Bier und einige entspannte andere Gäste, manche von ihnen natürlich in roten Kleidern. Auch in The Maison legen wir noch einen kurzen Halt ein, um einer weiteren Band gemütlich im Sofa sitzend zu lauschen. Das ist genau der richtige Ausklang für eine Stadt, in der die Musik lebt und der Jazz erfunden worden sein soll.

Wir verlassen die New Orleans und kommen bis Morgan City, wo wir am Lake End Park Campground noch einen der letzten Plätze zu ergattern – Hauptsache mit Strom, um die Klimaanlage zum Laufen zu bringen. 😉

Blick auf Sumpflandschaft im Atchafalaya Wildlife Refuge

Die Sümpfe des Atchafalaya Wildlife Refuge

Am folgenden Tag geht es weiter nach Westen; auf der Interstate 10 fahren wir, nach einem kurzen Stopp in Breaux Bridge, jedoch ein paar Meilen gen Osten, da wir zuvor das Atchafalaya Wildlife Refuge, ein 20 Meilen breites und 150 Meilen langes Sumpfgebiet, umfahren haben. Nur wenige Meilen hinter Henderson liegt, ein wenig versteckt hinter dem Deich (aber ausgeschildert), McGee’s Landing. Hier buchen wir eine Bootstour in die Sümpfe. Nach einem kurzen Regenschauer geht es mit John los, an Bord sind auch noch drei nette Amerikaner. Die Landschaft ist faszinierend, das Boot gleitet durch das Wasser und zieht an unzähligen verrottenden Baumstümpfen, Ansammlungen von Wasserlilien und kleinen Inseln vorbei. Andere Inseln sind deutlich größer und werden sogar von Rehen, Wildschweinen, aber auch Raubtieren wie Luchsen, Panthern, Kojoten und Louisiana Black Bears bewohnt. Im Wasser leben neben zahlreichen Fischarten auch Schildkröten, Frösche, Wasserschlangen und Alligatoren. Einen dieser Art sucht John für uns, und mit ein wenig Geduld und heftigen Schlägen auf das metallene Boot kann er ihn auch aufspüren. Ein majestätisches Tier mit ungefähr 14 Fuß Länge, welches sich nur träge im Wasser bewegt. Bis auf wenige Meter lässt uns der Alligator heran, bevor er später gelangweilt von dannen zieht. Eine tolle zweistündige Tour für 20 Dollar pro Person.

Schnappschuss eines Vogels an einem Gewässer

Vögel im Atchafalaya Wildlife Refuge

Bootsfahrt mit Guide durch das Atchafalaya Wildlife Refuge

Entdecken Sie die Natur auf einer Bootsfahrt

 

 

 

 

 

 

 

Waschbär im Atchafalaya Wildlife Refuge

Nicht nur Waschbären…

Krokodilskopf im Wasser im Atchalafaya Wildlife Refuge

… sondern auch Krokodile fühlen sich hier wohl!

 

 

 

 

 

 

Lafayette ist die nächste größere Stadt in der Umgebung. In der Nähe liegt Vermilionville, wo wir einiges zur Geschichte der Acadier erfahren, jenen Franzosen, die ursprünglich in Nova Scotia an der Ostküste Kanadas siedelten. Nachdem sie von den Engländern dort vertrieben wurden, haben sie sich in Louisiana niedergelassen und sind von den hier herrschenden Spaniern geduldet worden. Die Acadier begründeten letztlich auch die Cajun-Kultur mit ihrer besonderen Musik und Küche (der Name „Acadia“ entwickelte sich bei den englischsprachigen Amerikanern zu „Cajun“).

Wir fahren nach einem kurzen Shopping-Stopp zum recht zentral gelegenen Acadiana Park, der neben einigen Wanderwegen auch einen staatlichen Campground zu bieten hat. Der Platz ist groß und waldig. Kein Problem, hier einen schönen Platz zu finden. Schnell brennt die Kohle im Grill und zack!, taucht ein erster Waschbär auf, der sich sehr zutraulich nähert. Ein paar Fotos später vertreiben wir ihn dennoch, da wir unser Abendessen ungern mit ihm teilen möchten.

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11.Oktober 2011  Rubrik: Aktuellste Beiträge, USA  Autor:


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