48h in Boston – „Science meets Culture“

Die Gewinner vor der dem Massachusetts Institute of Technology in Boston

Hallo liebe CANUSA-Freunde! Deutschland hat uns wieder! Euch zur Freude, uns zum Leid liegen 48 Stunden USA/Boston hinter uns. Vorweg: 48 Stunden sind definitiv zu kurz, um eine so vielseitige und interessante Stadt mit all ihren Facetten zu erkunden! Wir sind fast ohne Unterbrechung auf Achse gewesen, haben am ganzen Wochenende nur gefühlte zwei Stunden geschlafen, ein paar Schuhe durchgelaufen (!), aber trotzdem nicht mal die Hälfte von allem geschafft, was es in der Stadt zu sehen und zu erleben gibt! Aber fangen wir doch einfach einmal ganz vorn an:


Fotoalbum

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Anreise
Am Freitag um 6:30 Uhr ging es zum Flughafen nach Düsseldorf und von dort über Paris nach Boston. Wir können uns unseren Vorrednern vom Chicagotrip anschließen, dass es der Pariser Flughafen ganz schön in sich hat! Als wir dort ankamen, war nicht sofort ersichtlich, wo genau wir eigentlich hinmüssen. An einigen Stellen haben Sie ja ein elektronisches Leitsystem, das gab es aber bei uns nicht; und die Entfernung war so groß, dass wir eine gute Stunde durch den Flughafen gewandert sind. Anders gesagt: Der Flughafen Charles de Gaulle ist ein potthässliches Riesenlabyrinth! 😛

Flughafen Charles de Gaulle in Paris

Umso besser war dafür die Reise über den großen Teich in der Premium-Voyageur-Klasse von Air France. Ein Stück mehr an Beinfreiheit, der große Bildschirm mit eigener Film- und Serienauswahl und der extra Service mit exklusiven Appetizern (ein klein wenig Schadenfreude hat man ja schon, wenn es in der Reihe dahinter nur Nüsse gibt …) haben die sieben Stunden wie im Fluge (haha) vergehen lassen.

Freitag in Boston
Mit leichter Verzögerung sind wir am späten Nachmittag in Boston angekommen und haben unsere erste große Überraschung erlebt – Boston liegt nicht, wie erwartet, in der gemäßigten Klimazone, sondern scheinbar in der tropischen! Es war bei (angeblich nur) 22 Grad extrem schwül, sodass man nicht wusste, ob man sich vor dem Regen oder vor der Hitze schützen sollte. Die Bostoner lösen dieses Dilemma, indem sie einfach zu Tanktops und Shorts ihre Gummistiefel anziehen.
Vom Flughafen zur Downtown und generell in der Stadt fährt man am günstigsten mit der „T“ (wie „Transportation“, umfasst U-Bahn, Busse und sogar eine Fähre). Allerdings kennt man hier weder schweizerische Pünktlichkeit noch deutsche Exaktheit (Fahrplan mit Uhrzeiten: Fehlanzeige) und kann dank des dichten Verkehrsaufkommen je nach Linie manchmal einfach die Münze werfen, ob man die zwei Meilen schneller zu Fuß oder mit der T schafft. Prinzipiell ist das aber richtig cool entworfen. Alle Linien haben Farben, die sich auch an den Wänden und Richtungszeigern wiederfinden, sodass man sich sehr schnell zurechtfindet.

Übernachtet haben wir im Sheraton-Hotel, das praktischerweise direkt an die große Prudential Mall angebunden und ein guter Ausgangspunkt für viele Sehenswürdigkeiten ist. Wir hatten ein sehr schönes Zimmer im 20. Stock (Korrektur: 19. Den 13. gibt es ja nicht …) mit einer super Aussicht. Wie in den USA üblich, war das Zimmer mit einer Klimaanlage ausgestattet (danke, danke!). Zusätzlich wurden wir mit einem riesigen Obst-Willkommensteller überrascht.

Generell haben viele Geschäfte und manche Sehenswürdigkeiten nicht so lange geöffnet, wie man das vielleicht in den USA erwarten würde. Dafür hat Boston jedoch auch viele kleine und größere Clubs, die durch die Musikszene im North End sowie durch die vielen Studenten geprägt sind – das Berklee College of Music liegt ganz in der Nähe unseres Hotels. Allerdings beginnt das Nachtleben schon recht früh, da überall um spätestens zwei Uhr morgens „Schicht im Schacht“ ist, wie der Rheinländer so sagt.

Unser Hotelzimmer im Sheraton-Hotel in Boston Auswahl in der Cheesecake Factory in Boston

Am Abend haben wir uns mit unserer Bostoner Freundin getroffen und in der Cheesecake Factory gegessen, eine typisch amerikanische Kette, die wirklich sehr zu empfehlen ist! Die Factory ist eine Kombination aus Restaurant und Bakery. Es gibt eine phänomenale Auswahl an Cheesecakes in jeder Geschmacksrichtung, die ebenso phänomenal schmecken. Natürlich gibt es dort aber auch andere typisch amerikanische Gerichte, zum Beispiel sehr leckere Burger. Besonders schön ist die Jugendstileinrichtung. Ein echter Insidertipp.

Samstag in Boston
Am Samstag hatten wir nach einem obligatorischen Bacon-Eggs-French Toast-Pancake-Frühstück unseren Termin mit Betsy Larkin vom Tourism Office. Im Vorfeld hatten wir schon ein paar E-Mails ausgetauscht, was wir den nachfolgenden Gewinnern sehr empfehlen können. Wir haben ihr unseren vorläufigen Plan geschickt und sie hat uns weitere Tipps gegeben, diese geografisch sinnvoll zusammengefasst und sich auch sonst ganz viel Mühe gemacht, damit wir in den 48 Stunden möglichst viel in Boston erleben. Deshalb hat sie sich nicht nur um eine Charly Card (T-Ticket) für die zwei Tage und um ein paar Eintritte gekümmert, sondern dann auch zwei Stunden mit uns verbracht, um zuerst vom Skywalk (Aussichtsetage des Prudential Centers) eine räumliche und historische Übersicht über Boston zu geben und anschließend mit uns das MIT und Harvard zu besuchen. Einen Insider dabei zu haben, war sehr hilfreich. Wusstet ihr zum Beispiel schon, dass Al Gore und Tommy Lee Jones im ersten Studienjahr in Harvard Roommates waren?

Die großen zwei
Am MIT konnten wir uns einige der innovativen Streiche ansehen, die über die Jahre von Studenten durchgeführt wurden. Die sogenannten „Hacks“. Ein sehr bekannter davon ist der „Smooth“. Den MIT-Studenten war es schon immer ein Dorn im Auge, dass die Brücke über den Charles River „Harvard Bridge“ heißt, obwohl sie zum MIT führt. Da der Name schwerlich zu ändern war, nutzten sie eine eigene Maßeinheit, in der die Länge der Brücke gemessen werden sollte, um ihr einen Stempel aufzudrücken: Ein Erstsemester namens Oliver Smooth wurde dazu auserkoren, das Bauwerk neu auszumessen, indem auf dem Seitenstreifen markiert wurde, wie oft er sich hintereinander auf die Brücke legen konnte. So misst die Harvard Bridge 364,4 „Smooths“ (plus/minus ein Ohr). 😉 Das kam so gut bei der Bevölkerung an, dass nach Renovierungsarbeiten diese Markierungen sogar nachgezeichnet wurden.

Auf dem Campus sind wir in ein Treffen des Jahrgangs von 1966 geraten, waren uns allerdings oft nicht sicher, ob das nun tatsächlich Studenten oder nur andere Touristen waren. Ein kleiner Tipp für Nachreisende: Es wird zwar gesagt, dass es Glück bringen soll, den linken Fuß der John-Harvard-Statue zu berühren, allerdings haben wir uns aus gesicherter Quelle sagen lassen, dass sich die Harvardstudenten öfters mal nach einer durchzechten Nacht auf genau diesen Schuh erleichtern, um den ständigen Besuchern eins auszuwischen – Insidertipp …

Abseits vom Campus
Neben der Universität selbst ist das Gebiet um den Harvard Square sehr schön und mit vielen Geschäften, Bars und Souvenir-Shops ausgestattet. Dazu zählt vor allem auch Mr. Bartley’s Burger Cottage, das Betsy uns wärmstens empfohlen hat. Hier gibt es schon seit 1960 hausgemachtes Essen. Die Menüs sind wohl nicht nur unglaublich lecker und gut portioniert, sondern werden regelmäßig nach aktuellen Berühmtheiten und Politikern benannt. Leider war die Schlange so lang und der Hunger so groß, dass wir uns entschieden haben, stattdessen zum Quincy Market zu fahren. Die Faneuil Hall ist dort der „Food Court“, eine weitläufige Halle mit einer großen Masse von kleineren Geschäften mit nationalen und internationalen Köstlichkeiten. Hier sind wir dann auch das erste Mal auf andere Besucher aus Deutschland gestoßen – das sollte uns in den nächsten Stunden und Tagen noch häufiger passieren.

Kultur pur
An der Faneuil Hall läuft auch der Freedom Trail entlang, der einige der wichtigen Stationen, die zur Unabhängigkeit der USA geführt haben, verbindet. Den Trail haben wir im Alleingang erkundet, um in der Planung etwas flexibler zu bleiben. Man lernt wirklich viel über die Geschichte Bostons, und für Touristen ist der Freedom Trail ein absolutes Muss. Gegen Abend sind wir dann noch zur Waterfront gegangen. Dort kann man neben den Fähren und Booten auch sehr schöne Bilder vom Sonnenuntergang und der Skyline machen.

Den Abend haben wir dann im Beehive im South End verbracht. Das ist eine Bar, die neben einem Essensbereich auf der Eingangsetage auch noch eine Bühne im offen gebauten Untergeschoss hat, bei der es jeden Tag verschiedene Live-Acts gibt. Hier sind wir dann bis zum bitteren Ende geblieben – also 2 Uhr. Insidertipp.

Weil um diese Uhrzeit keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren, haben wir uns entschlossen, einen gemütlichen Nachtspaziergang durch das South End Bostons zu machen. Dabei konnten wir besonders die wunderschöne Architektur der Kolonialzeit bewundern, die man hier bei vielen Wohnhäusern findet.

Fontäne on Boston

Sonntag in Boston
Sonntag war dann auch schon wieder der letzte Tag. Weil wir ihn komplett durchgeplant hatten, haben wir gleich am Morgen die Zimmer geräumt und unser Gepäck beim „Bell Boy“ hinterlegt. Zum Frühstück waren wir beim International House of Pancakes. Der Name gibt schon eine gute Idee von dem, was man dort bekommt – zum Beispiel deutsche Pfannkuchen. 😉 Die haben wir natürlich nicht genommen, sondern uns den amerikanischen Gepflogenheiten zugewendet. Einen Steak-and-Cheese-Breakfast-Burrito zu essen, hat sich so früh am Morgen dann aber doch niemand zugetraut. Von dort aus ging es dann ins Museum of Science, das für jedes Alter und alle Interessen etwas zu bieten hat. Ganz empfehlenswert ist dabei die „Elektrizitätsshow“ über die Entstehung von Blitzen. Diese findet dreimal täglich statt und dauert nur 30 Minuten, ist aber sehr energiegeladen. 😉 Insidertipp.

Hier haben wir dann übrigens auch festgestellt, dass ein Paar Schuhe von Ronja tatsächlich komplett durchgelaufen wurde. Zum Glück war die Cambridge Side Galeria in der Nähe, wo wir schnell Ersatz gefunden haben; übrigens ein Mekka für alle Shopping-Freunde! Anschließend haben wir die – wegen der sich leider als falsch erwiesenen Wettervorhersage – erst auf Sonntag gebuchte Duck Tour gemacht. Dabei fährt man mit einem Amphibienfahrzeug durch Boston, und mit dem berühmten „Splash“ geht’s dann auf den Charles River. Man erhält während der Tour einen sehr guten Eindruck von Boston und wird von urigen Stadtführern mit interessanten Facts sowie Klatsch und Tratsch aus der Stadt versorgt – wirklich ein Highlight und jedem zu empfehlen! Um etwas Trivia vorwegzunehmen: Es gibt ein ganzes Gebiet in Boston, das eigentlich mal eine Bucht war. Um Platz und Wohnraum zu schaffen, wurde ein Hügel in der Stadt abgetragen und damit die Bucht zugeschüttet – das heutige Viertel Back Bay. Unser persönliches Highlight der Tour war, als wir selbst mal ran durften, um das Boot (Auto, Boot, was auch immer …) zu steuern. Zur Belohnung erhält man dann einen zertifizierten Duck-Tourführer-Sticker. Insidertipp.

altes Kriegsschiff in Boston Ein unbesiegtes Kriegsschiff in Boston

Einige Stationen des Freedom Trails sind am Samstag noch offengeblieben. Die haben wir uns jetzt vorgenommen. Dazu zählte vor allem die USS Constitution, eines der ältesten und dazu noch unbesiegte Kriegsschiffe, das noch immer im aktiven Dienst ist. Weil es gerade auch bei Staatsbesuchen noch verwendet wird, waren die Sicherheitsprüfungen genau so, wie man sie vom Flughafen kennt. Das haben wir nicht allein gemacht, sondern noch ein Pärchen mitgenommen, das wir kurz davor kennengelernt haben. Dank der neuen Freundschaft durften wir dann auch Cannoli – eine unglaublich süße und leckere italo-amerikanische Backware – kennenlernen. Eine Cannolo besteht aus einer frittierten Teigrolle mit unterschiedlichen Cremefüllungen, die mit Ricotta gemacht sind. „Cannolo“ heißt übersetzt „kleines Rohr“. Diese Köstlichkeit findet man in Mike’s Pastry im North End. Insidertipp.

Den Rest des Tages haben wir genutzt, um den Boston Common zu erkunden. Dieser ist der erste öffentliche Park der USA und wurde um 1634 zu Beginn der Besiedlung von New England angelegt. Für den richtigen Indian Summer war es leider noch zu früh, der kommt in Boston erst im Oktober, aber schöne Fotomotive findet man trotzdem mehr als genug!

Abschied
Schließlich kam die Zeit, sich von Boston zu verabschieden. Wir haben uns entschlossen, dazu in ein Steakhouse zu gehen, um bei Steak und Lobster (muss man in Boston unbedingt mal probiert haben!) noch einmal zurückzublicken. Schweren Herzens haben wir uns dann zum Flughafen begeben und unsere Sitze aufgesucht. Glücklicherweise waren für diesen Flug keine Premium-Voyageur-Plätze verfügbar, sodass wir in der Business-Klasse sitzen durften. Das war immerhin ein kleines Trostpflaster. 😉 Als Resultat unserer Boston-Tour bestand unser Rückflug aus zwei Dingen: Schlafen – Essen.

Zurück in Deutschland
Tja, jetzt sind wir wieder da, haben so viel erlebt, dass man einerseits glaubt, eine Woche weggewesen zu sein, aber andererseits meint, das alles nur ein Traum war. Hoffentlich konnten wir euch vermitteln, was für eine tolle Stadt Boston ist, und ihr seid schon ganz heiß darauf, selbst einmal diese Reise anzutreten. Wir können nur sagen: Es lohnt sich!!

An dieser Stelle ist für uns die Zeit gekommen, endlich ins Bett zu fallen, das Schlafdefizit der letzten Tage aufzuholen und das besondere Erlebnis noch etwas wirken zu lassen. Wir hatten jedenfalls jede Menge Spaß und eine unglaublich tolle Zeit. Vielen Dank, CANUSA!


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4.Oktober 2011  Rubrik: Aktuellste Beiträge, USA  Autor:


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